Freiwillige Feuerwehr Niebüll-Deezbüll

Höhensicherung-AbstusiRett

Die heutige Höhensicherung in Niebüll ist hervorgegangen aus der ehemaligen AbstusiRett. AbstusiRett ist die Abkürzung für Absturzsicherung und Rettung aus Höhen und Tiefen. Die AbstusiRett ist für die Höhensicherung und hier speziell für die Rettung aus Windenergieanlagen ausgebildet.

Gruppenführer der AbstusiRett Gruppe Niebüll ist Gabor Frurieb, seine Stellvertreter sind  Sven Paulsen und Jan Reich.

Diese in Nordfriesland in dieser Form bisher einmalige Spezialeinheit war als Stützpunktkonzept aufgebaut, wobei die Stützpunkte so verteilt sind, dass alle Bereiche im Kreis in einem akzeptablen Zeitfenster erreicht werden können. Die Stützpunkte verteilen sich in die Bereiche Nord (FF Niebüll-Deezbüll), Mitte (Verbund der Feuerwehren Breklum, Struckum und Vollstedt) und Süd (FF Husum).
Unser Konzept war in dieser Form, nach unserem derzeitigen Kenntnisstand, bundesweit einmalig.

Entstehung der Spezialgruppe Höhensicherung:

Bereits im Jahr 2000 hat die Feuerwehr Niebüll-Deezbüll sich mit dem Thema Absturzsicherung befasst. Es wurden 3 Sätze Absturzsicherung beschafft und ein Kamerad wurde als Multiplikator an der Landesfeuerwehrschule Heyrothsberge, dem „Mekka der Höhenrettung“ speziell für die Sicherung in absturzgefährdeten Bereichen ausgebildet.
Damals fragte man sich, warum wir uns in Nordfriesland denn überhaupt mit dem Thema Höhensicherung auseinandersetzen, wo wir „Flachlandtiroler“ doch nur unseren Deich kennen. Aber durch die „Vorreiterrolle“ Nordfrieslands im Bereich der Windenergie und durch zurückliegende Realeinsätze an und auf Windenergieanlagen, haben wir uns mit diesem Thema näher befasst, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Die ersten Rettungsübungen in Windenergieanlagen ließen dann nicht lange auf sich warten. Es wurden verschiedene Rettungstechniken ausprobiert und kontinuierlich weiterentwickelt. Eine gemeinsame Übung mit der Höhenrettungsgruppe aus Dithmarschen war dann das i-Tüpfelchen unserer Vorbereitung für das geplante Rettungskonzept.
Zwei Kameraden haben dann das heutige, umfangreiche Konzept ausgearbeitet. Es folgte die Erstellung verschiedener Powerpoint-Präsentationen und die Vorstellung bei verschiedenen Gremien von Politik, Feuerwehr und Fachbereichen der Windenergie. Die Vorstellung unseres Rettungskonzeptes bei den Geschäftsführern der Windparks in Nordfriesland war der Schlüssel zum Erfolg für die zügige Umsetzung des Konzeptes auf Kreisebene. Die Windmüller erkannten, dass wir Ihnen mit unserem Konzept helfen konnten ihrer Betreiberpflicht nachzukommen, und eine Rettung einer evtl. verunfallten Person in der WEA sicherstellen konnten. Sie waren von dem Konzept so überzeugt, dass sie sich bereit erklärten die Kosten für die Beschaffung und den Erhalt der relativ kostenintensiven Spezialausrüstung zu übernehmen. Wir stellten Listen für eine Mindestausrüstung zusammen, ließen einen Kameraden an der Landesfeuerwehrschule in Heyrothsberge zum Kreisausbilder für „Sichern in absturzgefährdeten Bereichen“ ausbilden, stellten dort dem leitenden Ausbilder für die Höhenrettung unser Konzept vor und ließen es von ihm prüfen und „absegnen“.
Es folgte die Vorabauswahl der Kameraden, die nach erfolgtem Drehleitersteigtest die ärztliche Höhentauglichkeitsuntersuchung G41 erlangen mussten. Nach sehr intensiver Vorbereitung der Lehrgangsunterlagen und dem Erhalt der bereits eingetroffenen Spezialausrüstung begannen wir am 10. März 2005 mit einem wahren Ausbildungsmarathon, um die Spezialkräfte aller 3 Stützpunkte zeitnah ausbilden zu können. Nach 4 Lehrgängen mit je 12 Teilnehmern und einer Dauer von jeweils 28 Stunden, folgte schon am 31.05.2005 die offizielle Indienststellung der Spezialgruppe im Kreis Nordfriesland. Alles noch rechtzeitig, bevor wir unser Konzept auf der Interschutz 2005 in Hannover vorstellen durften.
In den darauffolgenden Jahren wurden weitere Lehrgänge angeboten, um neue Kameraden in dem Bereich zu schulen.
Im Jahr 2012 gab es dann die Auflösung des bisherigen Stützpunktkonzeptes.
Die Höhensicherungsgruppe in Niebüll ist aber weiterhin aktiv!

Übungen und Einsätze:
Das Prinzip des gesicherten Vorstiegs lässt sich auf viele Strukturen übertragen. Um dem breitgefächerten Einsatzbereich der Absturzsicherung gewachsen zu sein, folgten neben der Rettung in Windenergieanlagen auch Übungen in unterschiedlichsten Bereichen:
– Gesicherter Vor- und Querstieg auf Baukran
– Personenrettung vom Baugerüst
– Personenrettung außen mit Rollgliss aus höhergelegenen Stockwerken
– Transport schwergewichtiger Patienten im Treppenhaus
– Personenrettung vom Baum ohne Leiter
– Personenrettung im Hochlagerregal
– Personenrettung mit Rollgliss vom Flachdach
– Personenrettung mit Leiterhebel vom Flachdach
– Personenübernahme vom Seenotretter im Hafen
– Schachtrettung
– Silorettung

Auch wenn wir seit der Indienststellung noch nicht zu einem Ernstfall in einer Windenergieanlage ausrücken brauchten, so haben wir mehrere Einsätze im Bereich der Höhensicherung erfolgreich absolviert:
– Personenrettungen vom Baugerüst von verunfallten Bauarbeitern
– Sichern einer Person, die alkoholisiert auf das Dach eines Wohnblocks geklettert war, um eine Katze einzufangen
– Personensicherung bei Sturmeinsätzen auf Dächern
– Personenübernahme vom Seenotretter im Hafen Dagebüll
– Personenrettung aus Schacht
– Personenrettung aus Keller mit Schachtzugang
– Personenrettung aus Gärbehälter im Klärwerk